1975 - 2015 - 40 Jahre Freier Deutscher Autorenverband Landesverband Nord e.V.
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*** Das Geschichtenfenster ***

 

Hier könnte deine Geschichte stehen!

Insbesondere in Zeiten wo das Lesen - auch online - erheblich an Bedeutung gewinnt, wollen wir Literaturschaffenden unseren Lesern, einen "Blick durchs Fenster", quasi "auf unseren Schreibtisch" ermöglichen.

Die Mitgliederversammlung der Frühjahrstagung 2021 hat deshalb beschlossen, 

der Öffentlichkeit Werke aus dem eigenen Schaffen vorzustellen.

 

An dieser Stelle öffnen wir nun also die Vorhänge für Sie, liebe Leserinnen und Leser und lassen sie gern an unserem Schaffensprozess teilhaben.

 

Die Urheberrechte der Autorin bzw. des Autors am nachstehenden Text, werden von dieser Veröffentlichung nicht berührt. 

Adriane Meinhardt

 

Damals

 

Es war zu der Zeit als die Pädagogik der Sportlehrer noch auf die Größe

einer Trillerpfeife reduziert werden konnte, der Duft der großen weiten Welt

in einem nikotingeschwängerten Zug aus einer mittelmäßigen Zigarette lag.

Kurz nachdem Doris Day noch als emanzipierte Frau durchging und die

wirklich revolutionäre erotische Begebenheit nicht der letzte Tango in Paris,

sondern der Kuss der Religionslehrerin und des Lateinlehrers in der

Schulbibliothek war.

Damals verließen dauergewellte Hausfrauen aus Scham kurzfristig ihren

Körper, wenn die Wäsche nicht weich genug war und hielten dem Schatten

ihrer selbst vor: „Siehst Du, jetzt hast Du ein schlechtes Gewissen.,

während emanzipierte Frauen  Clementine hießen und aussahen wie die

blondgelockte Dortmunder Cousine von Fidel Castro im weißen Overall.

 

Was sollte man auch erwarten in einer Dekade, in der Frauen

Schwebehauben aufgesetzt wurden, damit sie den Haushalt machen

konnten, während sie sich die Haare ondulierten. Sie wollten schließlich für

ihren Liebsten gestylt im blitzblanken Haushalt bereit sein, wenn dieser

erschöpft von der Arbeit kam, und waren dankbar, wenn sie noch vorher

nicht von ihrem Hüfthalter umgebracht wurden.

 

Fernsehgeräte waren nicht nur äußerlich schwarz weiß und hatten meist

nur ein Programm.

Kinder gingen gern zu Ihren Großeltern, nicht weil Oma und Opa die

magische Anziehungskraft besaßen,  sondern weil die einen Farbfernseher

mit  2 Programmen hatten und man bei Ihnen Flipper und die

Mainzelmännchen sehen konnte.

 

Es war die Zeit in der das einzige Verhütungsmittel, das es auf Rezept gab,

die schwarze Hornkassenbrille war und man intergalaktische Raumschiffe

mit einem einfachen Bügeleisen steuern konnte.

Es gab auch andere interessante physiologische Phänomene. Die Füße

hatten zum Beispiel einen entscheidenden Einfluss auf die

Meinungsfreiheit.

Wenn sie sich unter dem Tisch der Eltern befanden, war man gezwungen,

das zu tun, was diese verlangten (die Eltern nicht die Füße).

Woran das lag? Keine Ahnung- wahrscheinlich eine Alpha - Order der

Weltregierung.

 

Damals, in der Zeit des Wirtschaftswachstums war Butter noch kein Fett

und Übergewicht wurde „stattlich“ genannt.

 

Das einzige , was man so richtig innovativ fand war: Plastik.

Plastiktüten waren mindestens so modern wie Hawaitoast,

Polyesteranzüge, bügelfreie Nyltesthemden und Schlaghosen.

Man fürchtete sich vor dem Russen wenn man sich nicht über diese

langhaarigen Bombenleger aufregte, die die Jugend aufwiegelten mit ihrer

sogenannten Beatmusik.

 

Wenn jemand politisch etwas Kritisches sagte, war „Dann geh doch nach

drüben!“ die Reaktion der Wahl. Es war eben nicht nur im Zug

unerwünscht, sich weit aus dem Fenster zu lehnen.

 

Kinder wurden damals unangeschnallt in vollgequarzten Autos transportiert

oder schon mit 2 im Kindersitz vorne auf Muttis Fahrrad gesetzt und dort

ohne Weichei - Fahrradhelm auf ihre Haltbarkeit getestet.

 

Sie sind empört? Was wollen Sie von Menschen erwarten, die in

Schuhgeschäften Röntgengeräte aufstellten, in die Kinder ihre beschuhten

Füße stecken mussten, damit Schuhverkäuferin sehen konnte, ob die T3

Lauflernschuhe tatsächlich drückten oder der kleine Horst sich nur anstellte.

Und wozu hat das geführt:

 

Viele von ihnen halten heute noch Bommi mit Pflaume für ein angesagtes

Partygetränk und behaupten die 60er Jahre hätten ihnen nicht geschadet.

 

Adriane Meinhardt Bild: privat

Kurzvita

 

Adriane Meinhardt,

 

geboren 1960 in Oldenburg.

Seit 1985 Mitglied der Oldenburger

Autorengruppe WORTSTATT,

schreibt  Lyrik, Prosa und Satiren.

 

Als Ensemblemitglied des bis 2020

laufenden Formats „Fremde

Federn“des Oldenburger

Literaturbüros stand sie im

Oldenburger „Wilhelm 13“ dreimal

jährlich auf der Bühne.

 

 

Seit 2019 gehört Adriane Meinhardt dem FDA - Nord e.V. an.

Nach zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften und im

Hörfunk erschien 2013 im Isensee- Verlag ihre Einzelveröffentlichung

„Ins Weite- Ein Jahr in Dangast“.

 

2019 veröffentlichte sie im Blaulicht Verlag den Satireband „In vitro

Veronica“.