1975 - 2015 - 40 Jahre Freier Deutscher Autorenverband Landesverband Nord e.V.
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„Man stelle sich vor…!“

 

 

Fiktives Interview mit Mitgliedern des

 

FDA Nord

 

Heute: Maria Braig, Osnabrück

 

„Man stelle sich vor …!“

 

Ich bin von FDA-Nord eingeladen, mich vorzustellen, diese Gelegenheit ergreife ich natürlich gerne und versuche mein Bestes.

 

Man stelle sich vor …

eine Terrasse inmitten unerwartet warmer Oktobersonne, darauf ein kleiner runder Tisch, darauf ein Laptop und ein Becher mit dampfendem Kaffee, ein Stuhl, darauf ich, daneben noch die letzten Kübeltomaten, die darauf warten, vielleicht doch noch rot zu werden – das ist mein Sommerbüro, der zweitbeste Platz zum Schreiben. Der beste Platz ist der Nordseestrand mit Blick aufs Meer und einer immerwährenden Geräuschkulisse von Möwen und Wellen.

Ich bin 1957 im tiefen Süden der Republik geboren und über einige Zwischenstationen, ungefähr 50 Jahre später, in der Friedensstadt Osnabrück angekommen.
Nach dem Studium der brotlosen Fächer Germanistik und Kulturwissenschaft führte mein Weg über den ähnlich brotlosen Beruf der Lektorin in einem Tübinger Kleinverlag, dessen Ende sich bald abzeichnete, auf die Straße: Als LKW-Fahrerin verdiene ich mir seit vielen Jahren meine Brötchen und noch so einiges mehr. Da meine Arbeit als „Postkutscher“ mir zwar großen Spaß macht, aber auf Dauer nicht ganz ausreichte, begann ich, sozusagen als geistigen Ausgleichssport, Werbetexte für Internetportale zu schreiben. Anfangs vor allem Texte über Reisen in alle möglichen Länder dieser Welt, was ziemlich spannend und auch lehrreich war, später landete ich bei Texten über Kosmetikartikel, Ferienwohnungen und Hausmeisterdienste. Da der Verdienst die Langeweile beim Schreiben nicht aufwog, ich aber doch auf den Geschmack am Schreiben als solchem gekommen war, begann ich einen immerwährend vernachlässigten Blog und versuchte mich an Artikeln für Zeitschriften.

Der Kontakt zu einem

Verlag, für den ich nebenher hin und wieder als freie Lektorin arbeitete, machte es möglich, eines Tages einen ersten Roman zu veröffentlichen.

 

 

Man stelle sich vor …

ein erstes Buch entsteht.

„Nennen wir sie Eugenie“, mein Erstlingsroman, entstand eher zufällig. Bei der Recherche für einen Artikel über geflüchtete Lesben bekam ich die Geschichte einer jungen Frau aus dem Senegal in die Hand, die, weil sie eine Frau liebte, ihre Heimat verlassen musste und in der Schweiz Asyl suchte. Ihre Geschichte bewegte mich zu sehr, um sie in einem kurzen Text abzuarbeiten. Da ich schon viele Jahre ehrenamtlich in der Arbeit mit Menschen auf der Flucht und im Asylverfahren, vor allem aber mit geflüchteten Frauen, tätig war, fand ich hier genau mein Thema für ein erstes Buch.

Einmal auf den Geschmack gekommen, folgten dann weitere Romane, die sich alle mit den Themenbereichen Flucht / Abschiebung / Gender / Diversity befassen. Ich versuche, beim Schreiben das aufs Papier zu bringen, was mich auch sonst bewegt – und ein klein wenig dazu beizutragen, die Verhältnisse zum Besseren zu verändern. Ob das gelingt bleibt offen, ist aber auf jeden Fall einen Versuch wert.

 

Man stelle sich vor …

man könnte vom Schreiben leben.

Das wäre natürlich der optimale Fall – oder vielleicht auch nicht? Ich bin gern auf der Straße, fahre gerne durch die Gegend, liebe meine beiden Arbeitsbereiche und würde das LKW-Fahren wohl vermissen (wenn auch nicht das häufige frühe Aufstehen um 4 Uhr morgens).

Vom Schreiben leben können heißt auch, abhängig sein davon, dass die Bücher genügend Abnehmer finden, sich beim Schreiben an dem orientieren zu müssen, was der Markt wünscht, sich Themen zu suchen, die gelesen werden, anstatt Themen, über die es mir selbst wichtig ist zu schreiben.

So mache ich mir zwar sehr viele Gedanken darüber, wie ich das Marketing fördern und meine Bücher besser verkaufen kann, bzw. wie ich mehr Leserinnen und Leser erreiche, dies aber in erster Linie immer vor dem Hintergrund, dass es mir wichtig ist, meine Inhalte möglichst weit zu verbreiten und möglichst viele Menschen mit meinen Themen zu erreichen. Natürlich kann ich es nicht ganz von mir weisen, dass da irgendwo auch dieser Wunsch mitschwingt, der vermutlich fast alle Schreibenden umtreibt, eines Tages zumindest ein wenig bekannt zu werden.

Vom Schreiben leben können heißt, mehr Zeit dafür zu haben, als sie in einem zusätzlichen „Brotberuf“ tätigen Autorinnen und Autoren zur Verfügung steht. Hier habe ich mir nun vor einiger Zeit den Luxus gegönnt, von einer Vollzeitstelle in die Teilzeit zu wechseln, so dass ich jetzt nicht mehr ausschließlich im Urlaub Zeit finde, um zu schreiben.

 

Man stelle sich vor …

Ihr wollt nun noch mehr über mich erfahren, Ihr wollt mich für eine Lesung buchen oder Ihr möchtet gerne ein Buch zur Rezension erhalten – dann wendet Euch doch einfach direkt an mich. Ich freue mich über jede Anfrage, jede Anmerkung, jede Kontaktaufnahme.

www.maria-braig.de / braigm@t-online.de